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Typisch Terrano!

Das „La Salvia“ in Wien-Ottakring ist eine vinophile Verwöhnoase im Ensemble des Brunnenmarktes. Das Preis-Wert-Verhältnis der Weine ist ausgesprochen gut.

Von Johann Werfring

Das "La Salvia" am Yppenplatz in Wien-Ottakring.

Foto: Johann Werfring

Kürzlich war ich wieder einmal bei den Weinmaurern zu Gast. Keineswegs handelt es sich hierbei um die Nachfahren jener Bauarbeiter, die nach dem Bericht des bedeutenden Humanisten Cuspinian im Jahr 1450 das Fundament des Nordturms vom Wiener Stephansdom mit Reifenbeißer-Wein ins Werk gesetzt haben, sondern um ein diskretes Grüppchen von Wiener Weinenthusiasten, das sich in schöner Regelmäßigkeit in Wien-Neubau zu diversen Weinaktivitäten einfindet.

Im Zuge einer gedeckten Verkostung (ohne sichtbares Etikett) kam bei dieser Gelegenheit ein Wein ins Glas, der mich ganz spontan an einen hervorragenden Wein erinnerte, den ich vor rund einem Jahr im Wiener MuseumsQuartier beim „Tag des Friauler Weins“ verkostet hatte: Terrano 2007 vom Bioweingut Zidarich aus Prepotto. Wie sich später beim Aufdecken herausstellte, handelte es sich tatsächlich um einen 2007er Terrano aus Prepotto, allerdings aus dem Weingut von Matej Lupinc.

Die Wiedererkennbarkeit dieser alten autochthonen Sorte aus dem italienischen Karst beeindruckte mich (sowohl Zidarich als auch Lupinc bauen ihre Terranos in absolut puristischer Weise aus). Infolge dieses Erlebnisses besuchte ich – was ich ohnedies schon seit einiger Zeit vorhatte – die am Yppenplatz in Wien-Ottakring befindliche Vinothek „La Salvia“, um mich weiter ins vinophile Thema Karst zu vertiefen.

Das Weinangebot des seit 2006 bestehenden Lokals „La Salvia“ fokussiert auf Friaul-Julisch-Venetien, rund die Hälfte der Rebensäfte kommt aus dem Karst (der Karst ist ein Hochplateau im Hinterland von Triest, das sich von Italien über die Grenze bis nach Slowenien erstreckt). „La Salvia“-Inhaberin Irene Strobl, die zuvor im Kulturmanagement tätig gewesen ist, kennt alle Winzer höchstpersönlich und bevorzugt in ihrem Sortiment zu einem Gutteil autochthone Sorten wie Vitovska, Ribolla Gialla, Schiopettino und den schon erwähnten Terrano (ital.) respektive Teran (slowen.) oder Refosco (vulgo „Karstblut“). Daneben sind freilich friulanische Klassiker, beispielsweise Tocai Friulano bis hin zu regionalen Süßweinen, im Sortiment vertreten.

Das kleine, heimelige Lokal fügt sich gut ins Ensemble des Wiener Brunnenmarktes und wird von einer eingefleischten Fangemeinde bevölkert.

Foto: Johann Werfring

Das Feinkostangebot von „La Salvia“ erstreckt sich auf Spezialitäten aus Norditalien, Slowenien und aus dem kroatischen Gebiet von Istrien. Neben einer stattlichen Anzahl an Käseprodukten (etwa Grottenkäse aus dem italienisch-slowenischen Grenzland) sind diverse Schinkenschmankerln, Salami, Lardo di Collonata („Die kleine Sünde“), Pasta, Artischocken, Olivenöl, Aceto Balsamico, handgeschöpftes Meersalz und weitere mediterrane Spezereien im Angebot.

Eigenständige Note
Das kleine, heimelige und rauchfreie Lokal ist in erster Linie auf Stehplätze ausgerichtet und in architektonischer Hinsicht an die Gegebenheiten des Brunnenmarktes, an dessen Rand es sich befindet, angepasst. Wie ich mich überzeugen konnte, hat das „La Salvia“ eine eingefleischte Fangemeinde, deren Mitglieder zum Teil sogar aus anderen Bezirken anreisen. Im Sommer bietet der marktmäßige Platz vor dem Lokal Raum für rund 70 Sitzplätze. Das Speiseangebot stellt auf den reichhaltigen Feinkost-Fundus ab, zum Teil gibt es auch warme Gerichte wie Suppe oder Pastavariationen. Das offene Weinangebot zu den Speisen ist sorgfältig gewählt und wechselt periodisch.

Die gemeinsam mit Irene Strobl verkosteten Weine, die zum Teil von alten Reben stammen, zeichneten sich durchwegs durch vergnüglichen Trinkfluss aus und bestachen in etlichen Fällen durch eine ansprechende eigenständige Note. Das Preis-Wert-Verhältnis ist in den meisten Fällen ausgesprochen gut. Im Folgenden meine Eindrücke von einigen Verkostungshighlights in der Reihenfolge ihrer Degustation:

Vitovska 2007 (Weingut Zidarich, Prepotto)
Orange bis ins Ocker schimmernde Farbtöne, dezentes Bukett mit mostigen Anklängen, etwas Mandel-Bittertöne, sehr straff und gebündelt, mineralische, puristische Prägung, salzig-pikant, ansprechender Säurebogen, macht mit Luft zunehmend auf, ungeschwefelt und unfiltriert, 12,5 % Alk., autochthone Weißweinsorte, Preis: 21,80 Euro.

Gljera 2008 (Weingut Sancin, Dolina)
Kräutermix im Bukett, füllig und kräftig, etwas nussig, salzig, ein Weißwein mit ordentlicher Länge, 13,5 % Alk., Preis: 10,40 Euro.

Ograde 2007 (Weingut Škerk, Prepotto)
Orange Farbe mit rötlichen Reflexen, Anklänge nach Orange im Bukett, im Geschmacksbild verbindet sich die aromatische Prägung stimmig mit viel Stoffigkeit, sehr eigenständig, kräftig und füllig, vielschichtig, ausgewogen, voller Leben, viel Struktur, verabschiedet sich anhaltend, macht Lust auf mehr, 13 % Alk., Cuvée aus Vitovska, Malvasia, Sauvignon Blanc und Pinot Grigio, Preis: 23,40 Euro.

Monte d’Oro 2008 (Weingut Sancin, Dolina)
Deutliche, intensive und einladende Fruchtanklänge an Brombeeren und Heidelbeeren, beginnt weich und lässt hintennach zusehends härtere Nuancen verspüren, ausgeprägt saftig, tanninbetont, würzig-pfeffrig, balanciert, vergnüglich, 13,5 % Alk., Cuvée aus Merlot und Refosco, Preis: 11,90 Euro.

Schioppettino 2007 (Vigna Petrussa, Albana di Prepotto)
Gediegenes Bukett, feine Kräuterwürze, zeigt viele Nuancen, Einsprengsel von Oliven, fleischig, gute Substanz, ausgesprochen süffig, kühl strömend, markante Tannine, salzig, zieht im feinen Säurebogen lange durch, 13,5 % Alk., autochthone Rotweinsorte, Preis: 16,20 Euro.

Werfrings Weinjournal


2011

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