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Salbei am Yppenmarkt

Märkte sind die wahr gewordenen Träume jedes Gourmets. Da wird er zum Trüffelhund, schnüffelt begierig und saftelt insgeheim.
Von Christa Karas

Am Naschmarkt ist es bekanntlich der „kleine Urbanek“, um den sich freilich insbesondere die Promis in nicht immer sympathischer Manier drängen. Am Yppenmarkt ist es der kleine Feinkostladen La Salvia, dem dieses Schicksal tunlichst erspart bleiben sollte. Zwar wurde der Herr Bürgermeister auch hier schon gesichtet, nennenswerte Folgen hatte dies bisher aber nicht.

Salbei am Yppenmarkt

Möge das Geschäft bestens florieren, La Salvia sonst hingegen bei seiner schlanken Linie bleiben. Einige Sorten Pasta, Käse, Wurstwaren und Antipasti sowie feine, aber erschwingliche Weine – was begehrt man da noch mehr? Zumal, wenn man weiß, dass alles frisch aus Friaul und Istrien geholt wird, was auch die etwas unüblichen Öffnungszeiten erklärt.

Zu den Wundern des kleinen Ladens zählt, dass man die „cose buone“ nicht nur erwerben, sondern seinen Appetit auch mit Speisen stillen kann, die auf zwei Kochplatten hergestellt werden. Unglaublich, wie gut und so gar nicht fad hier eine Pasta Primavera – Tagliatelle mit Spargel, Erbsen, Artischocken und Kräutern – schmeckt.

Das Gemüse fest im Biss und weit entfernt von den häufigen Zumutungen auf diesem Gebiet. Hoch zu loben auch die empfohlenen Weine wie der Pinot Bianco 2005 von Drius (Cormons) und der Matos 2005, eine Cuvée aus Malvasia Istriana, Sauvignon blanc und Semillon (beide um 2,70 Euro das Glas).

Allerdings, Sitzplätze drinnen gibt es nur für zehn Personen, etwas mehr jetzt im Sommer draußen, in der herrlichen Markt-Atmosphäre. Da ist das Reservieren unumgänglich, vor allem, wenn man sich an einem der gelegentlich angebotenen Abendmenüs erfreuen will.

Am Dienstag, den 29. Mai kocht La Salvia übrigens Salvia: Gemüse-Antipasti mit frittierten Salbeiblättern, Spinat-Käse-Ravioli mit Salbeibutter, Saltimbocca (Kalbfleischfilets mit Rohschinken und Salbei) und gegrillte Polentascheiben.

Nur das Dessert, Obstsalat, wird nicht von Salbei, sondern frischer Minze und Schokoladeneis begleitet (25 Euro für die vier Gänge ohne Getränke).

Wiener Zeitung vom 25.05.2007


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